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Bemerkung zu Angeboten aus China-Shops oder auf Ebay

Dieser Beitrag enthält einige Informationen zu irreführenden Lumenangaben bei China-Angeboten und zu Kapazitätsangaben von Akkus und der Qualität der Akkus selbst.

Viele (Taschenlampen-)Anbieter aus China bieten ihre Produkte in einem Internetshop oder auch bei Ebay an. Für jemanden, der überhaupt keine Ahnung von Taschenlampen hat, ist es nicht leicht, die Qualität der Angebote abzuschätzen.

Die Händlerangaben bei den Beschreibungen sind oft irreführend und vollkommen übertrieben. So kann es zum Beispiel sein, dass eine Lampe, für die 1200 Lumen angegeben sind, in Wirklichkeit keine 600 Lumen liefert. Diese übertriebenen Lumenangaben werden bei Taschenlampen-Fans daher oft scherzhaft als „China-Lumen“ bezeichnet. Oft handelt es sich dabei um den rechnerischen Wert, der grössten mit der LED möglichen Lumenabgabe. Es handelt sich dabei aber eben um einen rechnerischen Wert, der nie erreicht werden kann. So haben z.B. die verwendeten Akkus/Batterien, der Treiber oder auch die Betriebstemperatur einen Einfluss. Das Licht, dass schlussendlich die Lampe verlässt, entspricht auch nur noch einem Teil des Lichts, welches von der LED abgegeben wurde. Die LED gibt nicht das ganze Licht nach vorne ab sondern auch einen Teil zur Seite. Dabei entsteht bereits ein Verlust. Dann hat der Verwendete Reflektor einen Einfluss. Wie gut bündelt er das Licht nach vorne? Es gibt zwei Reflektor-Arten Smooth Reflektoren (SM) und Orange Peel Reflektoren (OP, auch „textured“ genannt). Die Smooth Reflektoren haben eine ganz glatte Oberfläche. Damit wird das Licht schön gebündelt und nach vorne abgegeben. Sie kommen oft bei weitleuchtenden Lampen zum Einsatz. Die Orange Peel (Orangenhaut) Reflektoren haben eine strukturierte Oberfläche (wie eine Orange, daher der Name). Durch die „Dellen“ wird das Licht gestreut. Das Licht wird damit gleichmässiger. Wenn man mit einer Lampe mit SM-Reflektor gegen eine weisse Wand leuchtet, kann man oft „Ringe“ oder ein „Loch“ (dunklerer Fleck in der Mitte des Kreises, auch Donut Hole genannt) erkennen. Durch die Streuung bei SM-Reflektoren treten diese Ring weniger stark auf. Wegen der Streuung geht aber auch wieder ein Teil des Lichts verloren. Den letzten Teil der Lampe, den das Licht passieren muss, bevor es die Lampe verlässt, ist die Linse. Diese kann aus Kunststoff oder Glas sein. Je nach Qualität der Linse bleibt hier nochmals mehr oder weniger Licht hängen. Erst jetzt, wo das Licht aus der Lampe draussen ist, kann man richtig beurteilen, wie hell eine Lampe schlussendlich ist. Diese Einflüsse gelten natürlich für alle Lampen, egal welche Qualität. Da die Billig-Lampen aus China aber meistens nicht von der höchsten Qualität sind, fallen die ganzen Einflüsse noch mehr ins Gewicht. Auf was man ebenfalls Achten sollte, ist, ob eine Lampe geregelt ist. Bei einer ungeregelten Lampe nimmt die Helligkeit ab, je mehr sich die Batterie im Betrieb entleert. So ist die Lampe beim Einschalten mit voller Batterie schön hell, die Helligkeit nimmt dann aber laufend ab. Da die Helligkeitsabsenkung nur langsam vor sich geht und sich das Auge laufend an die Lichtverhältnisse anpasst, fällt einem der Helligkeitsverlust gar nicht auf, bis es irgendwann einfach zu dunkel ist. Bei einer geregelten Lampe sorgt die Elektronik dafür, dass die Helligkeit mehr oder weniger konstant gehalten wird, egal was für einen Ladestand die Batterie/der Akku hat. Erst wenn die Batterie zu schwach ist, schaltet sich die Lampe aus oder die Helligkeit geht erst kurz gegen Ende nach unten.

Auch bei Akkus wird bei den Leistungsangaben oft gerne übertrieben. Da werden 18650er Li-Ion Akkus angeboten mit einer Kapazität von 4000 mAh oder sogar noch mehr. Wenn man dann die Kapazität solcher Akkus nachmisst, erreichen sie oft nicht mal 2000 mAh. Markenakkus haben zur Zeit als Obergrenze bei der Kapazität so ca. 3400 mAh (also noch weit unter den oben genannten 4000 mAh).

Sehr verbreitet sind Ultrafire-Akkus. Auch bei Lampenangeboten aus der Schweiz oder Deutschland erhält man oft solche Akkus mit dazu. Bei den Ultrafire-Akkus sind die Kapazitätsangaben häufig ebenfalls völlig übertrieben. Trotzdem werden sie halt gerne verwendet, weil sie recht günstig sind. Bei Ultrafire gibt es noch ein weiteres Problem. Ultrafire ist eine der am meisten gefälschten Marken im Taschenlampenbereich. Es ist daher kaum abschätzbar, ob man nun einen Originalakku gekauft hat oder eine Fälschung. Oft handelt es sich bei den Akkus auch um alte Laptopakkus (in den eckigen Laptopakkus sind meistens mehrere 18650er Li-Ion Akkus verbaut), die einfach mit einer neuen Umhüllung und evtl. einer Schutzschaltung versehen werden. Da kann man sich vorstellen, was für eine Qualität solche Akkus haben.

Viele der aktuellen Taschenlampen werden auf der höchsten Leuchtstufe nahe am Limit betrieben. Günstige Akkus kommen da nicht mehr mit und können den geforderten Strom nicht liefern. Die Lampen stellen dann automatisch eine Stufe runter oder schalten einfach ab. Geschützte (protected) Akkus haben eine kleine Elektronik eingebaut. Diese Schützt den Akku vor Überladung, Kurzschluss und vor zu tiefer Entladung. Diese Schutzschaltung kann ebenfalls ausgelöst werden, wenn die Lampe mehr Strom verlangt, als der Akku liefern kann. Dies hat ebenfalls zur Folge, dass die Lampe ausgeht. Um solche Extrem-Lampen zu betreiben braucht es qualitativ hochwertige Akkus mit tiefem Innenwiderstand. Diese sind leider auch ziemlich teuer. Zu empfehlen sind für solche Anwendungen Akkus von Redilast oder AW oder Enerpower. Auch Panasonic Akkus sind sehr gut. In den meisten hochwertigen Markenakkus sind sowieso Panasonic-Zellen verbaut. Wer Akkus möchte, mit denen er das Letzte aus seiner Lampe holen kann, der kann sich IMR Li-Mn Akkus kaufen. Diese haben einen extrem geringen Innenwiderstand und können daher gleichmässig hohe Ströme liefern. Diese Zellen haben keine Schutzschaltung. Sie haben eine andere Chemie als die Li-Ion Akkus und sind in der Handhabung etwas sicherer. Trotzdem sind sie recht empfindlich gegen Überladung und zu tiefes Entladen. Diese Akkus lohnen sich meiner Meinung nach nur für Flashaholics, die das letzte aus einigen Ihrer Lampen rauskitzeln wollen. Meistens sind das hochgezüchtete Taschenlampen, die den Akku regelrecht leersaugen. Schon von daher sind die Akkus dann ziemlich schnell leer. Dazu kommt, dass die IMR Akkus nicht mit hohen Kapazitäten erhältlich sind (die Kapazität liegt meistens unter 2000 mAh). Das bedeutet dann: Extremlampe + IMR Akku = eher kurzer Leuchtspass. Hier geht es dann wohl wirklich eher darum eine Lampe kurzfristig sehr hell zu betreiben und nicht, dass man eine Lampe hat, die man über einen längeren Zeitraum (z.B. auf einer Nachtwanderung) verwendet.

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